E5 Teil I Oberstdorf - Kaunergrathütte/Pitztal (16. - 24. Juli 2016)

Tagebuch E5-Wanderung DAV Mainz

16.07.2016, Anreise und Aufstieg zur Kemptner Hütte

Um 6:30 Uhr stand ich mit Bulette in der Hand und vollgepacktem Tourenrucksack vor dem Mainzer Hauptbahnhof. Um 7:15 Uhr war das Treffen anberaumt. Als Nichtvortourengänger kannte ich keinen der Teilnehmer außer Björn, Berthold und Frank. Es wurde 7:00 Uhr als eine charmante junge Frau in Outdoorbekleidung, Wanderschuhen, Tourenrucksack und Kletterhelm auf mich zukam. Als Sie näher kam, kreuzten sich unsere Blicke immer häufiger bis Sie kurz vor mir stehen blieb und ich meinte: „Wandern E5?“, sie lachte bis über beide Ohren und meinte „ja, genau, ich bin die Sabine“. Kurz darauf trafen die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, die alle von Mainz aus starteten. Spätestens hier wurde mir klar, dass selbst bei schlechtem Wetter mit diesen Teilnehmern die Tour zum Sonnenurlaub wird. In Ulm verpassten wir unseren Anschlusszug nur knapp. Mit einer Stunde Verspätung trafen wir in Oberstdorf ein und stießen auf den Rest der gutgelaunten Truppe. Nach einer Rundumbegrüßung brachte uns der Shuttlebus nach Spielmannsau. Schnell noch ein Gruppenfoto und schon ging es los. Nach 850 erwanderten Höhenmetern erreichten wir um 17:30 Uhr die Kemptner Hütte (1846 m). Wir bezogen unsere Mannschaftskajüte „Muttler“. Gleich am ersten Tag schlug die Stunde unserer Taktiker. Erst warm duschen, oder Schlafgemach beziehen, oder doch erst essen? Björn und ich zogen ein warmes Mahl zuerst dem Duschen vor, was auch belohnt wurde, denn die Dusche kostete für uns nichts mehr, da der Warmwasserspeicher bereits leer geduscht war. Ich habe noch nie so unter einer Dusche gehechelt, .. lach.

17.07.2016, Kemptner Hütte - Memminger Hütte: Tag der Gentlemen und jungen Wilden

Gut gefrühstückt und bei kühlen Temperaturen ging es los zum Mädelejoch (1973 m). Den Allgäuer Hauptkamm, Deutschland und Bayern ließen wir hinter uns und betraten Österreich/Tirol. Das Wetter spielte wieder toll mit, wolkenloser Himmel und hochsommerliche Temperaturen. Vorbei an vielen kleinen Wasserfällen erreichten wir gegen 10:30 Uhr die Hängebrücke vor Holzgau, die in 110 m Höhe die Höhenbachschlucht überspannt. Sehr imposant! Nach 20 Minuten Rast in Holzgau brachte uns der Taxibus ins Madautal zur Materialseilbahn der Memminger Hütte. Unser Gepäck behielten wir auf und machten uns an den Aufstieg. Eine gute Stunde vor der Memminger Hütte stiegen zwei Gentlemen ein gutes Stück bergab, um von zwei unserer Mädels die Rucksäcke abzunehmen, damit die Beiden für ein gutes Teilstück lang ihre Kräfte für die Schlussetappe sammeln konnten. Belohnung für die beiden Träger ein strahlendes und dankbares Lächeln. Auf der Hochebene angekommen, lag die Memminger Hütte (2242 m), vor uns. Zwei junge Wilde stiegen noch auf den Seekogel (2412 m). Was ein Service im DAV, am Abend bekamen wir dann noch das Essen von unseren zwei Bergführern serviert.

18.07.2016, Memminger Hütte - Zamer Skihütte: Steinschlag, Teamarbeit, Eisgel, Blasenpflastertag, Wäschebasar, Übernachtung in der Sauna

Mit Bilderbuchwetter starteten wir in diesen Tour-Tag. Im Aufstieg zur Seescharte gab es etwas Theorie und Praxisschulung mit Frank in Sachen Tritttechnik im alpinen Gelände. Nach gut 360 Aufstiegshöhenmetern durchschritten wir das Felsentor der Seescharte (2599 m), um über die Südseite der Lechtaler Alpen abzusteigen. Im steilen Abstieg gab es plötzlich Steinschlag, ausgelöst von einer nicht sehr aufmerksamen Gruppe oberhalb von uns. Durch unsere Wachsamkeit konnten wir unsere Mitgeher mit lautstarkem Schreien auf die Gefahr hinweisen, diese reagierten prompt und blieben von dem herabstürzenden Brocken unberührt. Eine Schrecksekunde. Der anspruchsvolle Abstieg über hohe Trittstufen und unwegsames Gelände war kräftezehrend. Kurzzeitig schulterten wir abwechselnd den Rucksack eines Gruppenmitglieds damit dieser seinen Oberschenkel etwas entlasten konnte. An der Oberlochalm (1799 m) wurden die ersten Tape-Rollen ausgepackt und Blasenpflaster geklebt. An der Unterlochalm machten wir Mittagsrast. Die Strapazen des ersten Abstiegs sah man in allen Gesichtern. Stärken und weiter. Durchbeißen war nun angesagt. Die zweite Hälfte stand uns ja noch bevor. Der Weg nach Zams wollte nicht enden. Endlich, um 15:20 Uhr saßen alle erschöpft unter Sonnenschirmen vor einem Kaffeehaus in Zams und stärkten sich mit kühlen Getränken, Kaffee und Kuchen. Die Venet-Seilbahn, brachte uns bis zur Mittelstation und von dort hatten wir noch „quälende“ 20 Minuten bis zur Skihütte Zams. Die Füße taten weh, die Stimmung war ungebrochen gut, was für eine tolle Gruppe! Mit Hopfenkaltschale und Antialkoholika saßen wir auf der Außenterasse, klönten und schauten uns den Sonnenuntergang an. Im Laufe des späten Abends ging es dann mehrmals zum Wäschebasar. In 5 Wäschekörben suchten wir dann unsere gewaschenen Wäschestücke wieder zusammen, was für ein Schauspiel, wir waren ja nicht die einzigen in der Hütte. Aber trotzdem ein toller Service, den wir gerne angenommen haben. Die letzten Kleidungsstücke sammelten wir dann am nächsten Morgen vor dem Abmarsch ein. In der Nacht, geweckt durch den Harndrang, musste ein Mitwanderer das Matratzenlager um 2:35 Uhr verlassen. Da das Hochbett desjenigen hinten im letzten Eck lag und nur mit größter Mühe zu erklimmen war, wurde die Rückkehr in die Bleibe zum Wohle der anderen Nächtiger nicht mehr aufgesucht. Die auf dem Flur befindliche Infrarotsauna wurde dann zur Zwischenübernachtung heran gezogen. Etwas hölzern und mit dem zusammengerollten Hüttenschlafsack als Kopfkissen, harrte man mehr oder weniger schlafend aus, bis um 5:30 Uhr die Ersten zum Aufstehen an der Sauna vorbeikamen

19.07.2016, Zamer Skihütte - Piller: Manfred Neuber Gedächtnisweg

Die Venet-Seilbahn brachte uns hinauf zum Krahberg (2208 m). Wieder hatten wir traumhaftes Wanderwetter. Ein tolles Panorama und Weitblickt belohnte uns. Auf der Glanderspitze (2512 m) machten wir eine längere Rast. Mittagessen genossen wir auf der Galflunalm. Danach ging es zum „Manfred-Neuber-Gedächtnisweg“. Diese Passage hatte es in sich. Den Einstieg verfehlten wir beim ersten Anlauf, dann ging es über sehr steiles Gelände durch Wald, Wurzeln, Kuh-Futter-Wege und Graswiesen hinunter auf den befestigten Waldweg, der uns nach Piller hineinführte. Wir waren froh, in Neu Amerika angekommen zu sein. Wir schliefen das erste Mal seit Beginn der Tour in „richtigen“ Betten und es gab ausreichend warmes Wasser, juhuh ...

20.07.2016, Piller - Kaunertal: Drei Eiserne Männer

Um 8:00h ging es los. Es war schon recht warm als wir das Waldgebiet zur Aifner Alm (1980 m) durchstiegen. Mit frischer Buttermilch und Kaltgetränken gestärkt, liefen wir über den Kaunertaler Panoramaweg, der seinem Namen alle Ehre macht, bis zur Falkaunsalm (1963 m), wo wir Mittagsrast machten. Auf Nachfrage zum Durchlaufen des Stollens erfuhren wir, dass der Weg wegen Forstarbeiten gesperrt war. Wir stiegen hinunter auf den Kaunertaler Wasserweg bis zum Stollen. Lupinchen leuchtete uns den Tunnel aus und einige schnupperten etwas kühle Stollenluft, bevor es dann gemeinsam über die heiße Teerstraße ins Tal ging. Wir waren noch gute 1,5 Stunden Gehzeit von Vergötschen entfernt, als wir uns entschieden hatten, die brennenden Sohlen per Taxi ins Hotel fahren zu lassen. Zwei Mal pendelte der Taxibus, bis alle Mädels und Jungs das Hotel Gsallbach erreicht hatten. Zwei tapfere Männer und Berthold liefen dem Ehrgeiz Willen in Eigenregie die Strecke doch zu Fuß, sie wurden von uns herzlich empfangen, klasse Leistung Männers!

21.07.2016, Kaunertal - Verpeilhütte: Schwerer Abschied - Das erste Mal Feuchtes von oben

Nach einer tollen Nacht in „richtigen“ Betten mussten wir schweren Herzens zwei liebe Wandersleute verabschieden, weil sie unverhoffter Dinge dringend zu Hause gebraucht wurden und abreisen mussten, schade. Im leichten Nieselregen ging es dann los zum Sturm auf die Verpeilhütte. Mit einer kurzen Zwischenrast erreichten wir nach 3 Stunden die selbige. Eine urige, wunderschön gelegene Hütte. Heute war mal ein richtiger Ausruhtag. Wir bezogen die Zimmer, jeder konnte sich den Tag bis zum gemeinsamen Abendessen frei einteilen. Nachmittags gab es wieder mal einen kurzen Schauer, den wir zum Singen mit Gitarrenunterstützung und Gesellschaftsspielen bestens ausgefüllt bekamen.

22.07.2016, Verpeilhütte - Kaunergrathütte: Live-TV auf der Kaunergrathütte

Agnes, die Hüttenwirtin, ist extra für uns früh aufgestanden, um das Frühstück vorzubereiten. 6:15 Uhr waren alle mit dem Frühstück durch und los ging es. Auf Grund der Wettervorhersagen für den Nachmittag, wollten wir möglichst früh starten damit wir trockenen Weges die Kaunergrathütte erreichen konnten. Am Mooskopf (2532 m) und Madatschkopf vorbei ging es weiter auf die Madatschtürme zu. Am letzten Madatschturm wurde Helmpflicht ausgerufen. Nach kurzer Pause gab es eine Teambesprechung mit Berthold und Frank, in der wir die Laufpositionen und Verhaltensregeln für den Anstieg und anschließenden Abstieg zum und vom Apere Madatschjoch (3030 m) besprachen. Eine klasse Sache, wie sich später rausstellte. Jetzt wurde es ernst. Sehr diszipliniert, konzentriert und bei bestem Wetter überquerten wir mit unseren zwei Bergführern den Gletscher und erreichten ohne Zwischenfälle das Madatschjoch (3030 m). Mit einer kleinen Rast und einem tollen Gruppenfoto galt es mit voller Konzentration den Abstieg durchzustehen. Entlang an Seilen, Auftrittstufen und zwei kurzen Leitern stiegen wir ab. Hier zeigte sich erneut die Disziplin aller und die tolle Unterstützung unserer Bergführer. Berthold unterstützte die Gruppe beim Abstieg über die Leitern, auf einem guten Stand innerhalb des Abstiegweges. Frank unterstütze seinerseits unsere Mädels aktiv während des Abstieges über die Leitern und Trittstufen, da diese teilweise weit auseinander lagen. Nach einer guten Stunde Fußweg lag sie endlich vor uns die Kaunergrathütte (2817 m). Was für ein toller Anblick – unser Tourziel war erreicht. Mit einem gemütlichen Hüttennachmittag, bei Kartenspiel und Klönen in geselliger Runde, in uriger Atmosphäre verbrachten wir die Zeit bis zum Abendessen. Nach dem Abendessen drehten wir für Beate ein Geburtstagsvideo mit der ganzen Gruppe in der Hütte, da sie am nächsten Tag Geburtstag hatte. Leider war ihr die gemeinsame Feier nicht vergönnt, da sie uns mit Ihrem Andreas zwei Tage zuvor verlassen musste.

23.07.2016, Abstieg nach Plangeroß ins Pitztal: E5 Teil 1 trifft E5 Teil 2 - Final Seven setzen Trainingsanreiz

Auf Grund des Wetterberichtes, entschieden wir uns einen Tag früher abzusteigen. Pünktlich um 7:30 Uhr ging es von der Kapelle ins Tal. Berthold und Frank gaben den Start für einen freien Abstieg. Nach knapp 2,5 Stunden traf die Spitze in Plangeroß ein, wo wir zufällig auf die große Gruppe um Edgar und Manfred stießen, die gerade den Abstieg von der Rüsselsheimerhütte hinter sich hatten und auf dem Weg zu Braunschweigerhütte waren. Manfred konnte es einrichten, dass die Gruppe noch auf unsere drei Mitgeher warten konnte. Dann machten wir ein schönes Gruppenfoto. Dann verabschiedeten wir Michael, Jeanette, Gabriel und Halil, die heute Ihre Rückfahrt antraten. Wir bezogen unser Quartier und stiegen mit den Final Seven zu den „Risselssummärn uff die Hütt“ hoch. Drei von uns blieben noch im Tal um uns von dort, auf dem Bett ausruhend, mental zu unterstützen. Leicht an Gewicht kamen wir auf der urigen Hütte an. Nach einer ordentlichen Pause rasten wir bergab. 2:32 Stunden brauchten wir für Auf- und Abstieg, Berthold, diese Textpassage bitte überlesen, grins. Unser gemeinsames Abschlussessen genossen wir im Bergwerk, ein uriges Lokal, das als Bergbaustollen eingerichtet ist.

24.07.2016, Heimfahrt

Technische Daten der Tour

  • Bergführer: Frank und Berthold (Spitzenklasse)
  • 7680 Hm hoch 9230 Hm runter
  • 92,4 km Wegstrecke
  • jüngster Teilnehmer 18, ältester Teilnehmer 76
  • Gruppendynamik: grandios, lustig, homogen, hilfsbereit

Besonders herzlich bedanken wir uns bei Manfred für die Planung und bei Frank und Berthold für die ausgezeichnete Führung durch die Berge.

Euer Tourenschreiberling Markus