E5 Teil IV Carbonare - Verona (23. Juni - 1. Juli 2016)

Das E5-Jahr 2016 der DAV Sektion Mainz startete mit dem südlichsten E5-Abschnitt Carbonare – Verona. 14 gutgelaunte Bergfreunde machten sich frühmorgens auf den langen Reiseweg gen Süden nach Trento (Trient).

Das Wetter war uns mehr als hold. Auch schon beim Start im hübschen Bergdorf Carbonare (1074 m) im Trentino auf der Hochebene von Lavarone. Die erste Etappe, noch auf der Hochebene, war im Hinblick auf die folgenden Tagesprogramme gewollt leicht gewählt, quasi eine Eingehtour. Gut 11 km und über 700 Höhenmeter. Vorbei an Wiesen, Weiden, durch Wälder und vorbei an militärischen Spuren aus dem 1. Weltkrieg. Die Hochebene von Lavarone, ehemals Verteidigungsline der Österreicher, aufgebaut auf 7 Forts und weiteren militärischen Einrichtungen. Das Ex forte Cherle (1450 m), eine riesige Bunkerruine, liegt direkt an unserem Weg. Eine wunderbare Aussichtslage über dem Val d`Astico und der Hochebene von Lavarone. Kurze Zeit später kamen wir dann noch an den Überresten eines österreichischen Lazaretts vorbei. Am frühen Nachmittag war das erste Etappenziel, das Albergo Paso Coe erreicht (1610 m).

Am nächsten Morgen der Einstieg in ein anspruchsvolles und unsere ganze Kondition forderndes 5-Tage-Programm. Gleich am Start vom Paso Coe der Blick zum Monte Maggio (1853 m), die erste Zwischenstation. In einer Stunde war er erreicht. Bei guter Weitsicht soll man vom Gipfel die goldglänzenden Lagunen von Venedig sehen. An unserem Tag war das nicht möglich. Dennoch gab es sehr schöne Ausblicke. Über den Sentiero del Pace (Friedensweg) stiegen wir hinunter zum Paso Borcola (1219 m). Nach einer Mittagspause ging es auf aussichtsreichem Pfad hinauf in den gewaltigen Gebirgsstock des Monte Pasubio. Über ca. 1000 Höhenmeter zog sich der schöne Höhenweg hinauf zum höchsten Punkt (1970 m) des Etappentages. Von dort erreichten wir dann bald das Rifugio Lancia (1802 m), eine Berghütte des italienischen Alpenvereins. Bis hierher eine schöne und einsame Etappe, aber wegen ihrer Länge und der Höhenunterschiede auch anstrengend!

Alpin ging es weiter. Vorbei am Westhang des Roite (2144 m) zogen wir hinauf auf den mächtigen Hauptkamm des Pasubio Gebirges. Rechter Hand im Blick das letzte große Felsengebirge auf dem Weg nach Verona, die Carega-Gruppe. Aber sie wird uns erst am nächsten Tag beschäftigen. Das Gebirgsmassiv des Monte Pasubio. Im 1. Weltkrieg Hauptkampfgebiet zwischen den Kriegsgegnern Österreich/Ungarn und Italien. Beim überschreiten der Gipfelkette noch heute unverkennbar die Spuren am und um den Gipfel der Österreicher (Dente Austriaco 2203 m) und dem der Italiener (Dente Italiano 2218 m). Das gesamte Bergmassiv durchzogen und ausgehöhlt mit Gräben, Unterständen, Kavernen und Tunnels. Der Monte Pasubio, ein steinernes Denkmal für den Wahnsinn des Krieges! Nach kurzer Einkehr im Rifugio Papa (1925 m) dann der lange Abstieg zum Fugazze Pass (1162 m). Unten angekommen, lag aber noch ein beträchtliches Wegstück vor uns. Die Kulisse dafür boten die Kleinen Dolomiten (Picolle Dolomiti) mit ihrem Paradeberg dem Monte Cornetto (1899 m). Über seine Schulter ging es auf gutem Pfad nochmal über 500 Höhenmeter hinauf, bevor unsere Etappe im auf und ab am Rifugio Campogrosso (1456 m) endete. Wieder ein langer und anstrengender Weg, der uns direkt an die Nordwand der Cima Carega heranführte.

Am nächsten Morgen standen wir vor ihr. Sie schien schier unüberwindbar. Aber es gab ein Steig, über 600 Höhenmeter durch eine sehr steile Geröllrinne. Wir folgten der Markierung. Teilweise leichte Kletterei! Und siehe da, an einer ziemlich verdeckten Stelle, der Bochetta die Fondi (2084 m), hat die Natur ein kleines Schlupfloch gelassen, durch das wir über die Nordwand der Cima Carega hinwegkamen. Der Aufstieg gleich am frühen Morgen mit ausgesprochen gutem alpinem Anspruch. Es war der schwerste Teil der heutigen Etappe. Nach einer Mittagspause im Rifugio Scalorbi ging es auf sehr schönem Bergsteig, an der Flanke des Valle die Revolto stundenlang bergab bis wir nach einer 3 km langen finalen Straßenwanderung an unserem Etappenziel Giazza (793 m) ankamen. Wir waren aus dem Carega-Gebirge draußen.

Mit den letzten beiden Etappen über die lessinischen Gebirgsketten laufen die Alpen via Verona aus. Aber so flach die Berge hier auch scheinen mögen, der Anspruch des Weges blieb weiter. Zweimal sehr lang! Von Giazza folgte gleich ein zweistündiger strammer Aufstieg (725 Höhenmeter) hinauf zur Hochebene von Lessinia. Unweit das Meer, der Gardasee und die Vincentinische Tiefebene. Beim Wandern über die zahlreichen Hügelketten waren wir weitgehend alleine. Unterwegs schöne eingewachsene Weiler wie Merli und Zamberlini. Nach viel auf und ab gelangten wir nach einigen Stunden in eine Schlucht, aus der wir nochmal ca. 300 Höhenmeter an steiler Wand hinauf zum Etappenziel Erbezzo (1118 m) steigen mussten.

Die finale Etappe war mit über 27 km die längste der Woche. Und wieder sehr anstrengend. Das schuldeten nicht so sehr die 540 m im Aufstieg und die 1545 m im moderatem Abstieg, sondern vielmehr die Länge, Wärme und die Unwegsamkeit eines absichtlich gewählten finalen Wegstückes. Von Erbezzo führte der Weg über zwei Stunden abwärts bis auf den Talgrund des Vajo die Falconi (480 m) Sehenswert auf dem weiteren Weg das Naturdenkmal Ponte di Veja (611 m), ein natürlicher Felsbogen, eine gewaltige Naturbrücke. Ab dem Monte Comun (714 m) führt dann der E5 durchweg bergab. Immer größer werdend und näherkommend, das Südende des Gardasees. Permanent vor uns in Sichtweite die Vincentinische Tiefebene via Venedig. Nach vier Wanderwochen in den Alpen ein erhebender Anblick, die Alpen in grünen Hügelketten auslaufen zu sehen. Für die letzten zweieinhalb Stunden wählten wir die E5-Alternative durch die Boragoschlucht. Unwegsam und anstrengend war das Vorwärtskommen in dem unter Naturschutz stehenden Urwald- und Regenwaldgebiet. Das Val Borago wird unvergessen bleiben. Am Ausgang der Schlucht sind auch die Alpen zu Ende. Wir sind in Avesa, einem Vorort von Verona. Hier endet offiziell die Alpenüberquerung des E5. Das große Tourenziel Verona ist erreicht. 530 km liegen hinter uns, ca. 25000 Höhenmeter im Aufstieg und etwa 29000 im Abstieg. Für die Teilnehmer ein guter Grund stolz und zufrieden zu sein.

Verona ist immer einen zusätzlichen Aufenthaltstag wert. Eine beeindruckende Stadt. Der Abschluss bildete eine interessante zweieinhalbstündige Stadtführung durch den Kern von Verona und nach dem Abendessen die Oper AIDA in der Arena von Verona. Mein abschließender Dank gilt dieser tollen Gruppe, die mich über vier Jahre auf dem langen Weg von Oberstdorf nach Verona begleitet hat. Ihr wart super!

Text: Manfred Neuber, Fotos: Heribert Jäger