Hochtour auf die Signalkuppe im Monte Rosa-Gebiet (8. - 13. August 2016)

Signalkuppe, 4.554 m, auch Rifugio Margherita, höchstgelegene Hütte der Alpen

„Denk immer daran, was du zum Gelingen deiner Seilschaft beitragen kannst und nicht, was du von der Gruppe bekommst“. Mit diesem Leitspruch unseres Tourenführers Berthold hatten wir uns auf den Weg gemacht von Zermatt zum Rifugio Regina Margherita (4.554 m) und es gab bald schon genügend Herausforderungen, die wir als Seilschaft zu meistern hatten.

Anpassung an die Höhe, ein wichtiger Faktor für das Gelingen der Höhentour: Wir hatten uns für den steilen Waldweg zum Rotenboden auf dem Gornergrat entschieden. In gemächlichem Tempo stiegen wir hoch durch Mischwald, dann unter knorrigen Lärchen, begleitet vom metallischen Rauschen der Gornergrat-Zahnradbahn hoch (4 Std.). Vom Rotenboden ging es über eine Traverse (eine leichte Querung) bis an den Gornergletscher (2.658 m). Eine heikle Überquerung des Gletschers stand uns bevor, nachdem wir über drei Leitern den Abstieg zur Gletscherflanke erreicht hatten. Nur eine freischwebende Brücke schaukelte über der Kluft zwischen Felswand und Gletscherplateau. Etwas weiter aufwärts gab es allerdings noch einen Rest einer sehr steilen und schmalen Eisbrücke. Wir entschieden uns für diesen Übergang, legten die Steigeisen an und sicherten uns mit zwei Eisschrauben. Auf dem leicht abfallenden Gletscher ging es dann gut weiter bis zum mühseligen Blockwerkweg, der uns an den Fuß des Plattje führte. Oben steht die Monte-Rosa-Hütte (2.883 m), ein modernistischer Bau, komfortabel und mit integrierter Photovoltaikanlage ausgestattet. Reine Gehzeit von Zermatt bis zur Mt.-Rosa-Hütte ca. 9 Std., rund 1.270 Hm.

Der zweite Tag war der Akklimatisierung gewidmet: Morgens ein kurzer Aufstieg bis zum Grenzgletscher, von wo aus die Gletschertour zur Signalkuppe beginnt. Herrlicher Ausblick auf den Liskamm, die Zwillinge Castor und Pollux, das Breithorn und freilich das Matterhorn überragend alle Schneeriesen mit seiner majestätischen Silhouette. Wir prüften unsere Sauerstoffsättigung mit einem Pulsoximeter. Die Werte waren OK. Einem Aufstieg stand nichts mehr im Weg.

Beim Abendessen letzte Vorbereitungen. Welche Gepäckstücke nehmen wir mit, was lassen wir im Hüttendepot. Abrechnung bei unserem Hüttenwirt und Spaß an seinem trocknen Humor als einige in EURO bezahlten: „Wasch ist das für‘n Geld?“ Am folgenden Morgen ging es dann um 5.55 Uhr los, wir hatten über 1.600 Hm zu überwinden. Ein junges Paar, das wir am Vortag kennengelernt hatten, kam uns kurz vor dem Gletschereinstieg entgegen. Sie waren frühzeitig aufgebrochen, hatten sich aber zum Abbruch der Tour entschieden, weil ihnen die vielen Gletscherspalten für eine Zweierseilschaft zu gefährlich erschienen. Sie wünschten uns noch viel Glück und dann ging es in die Eisen.

Am unteren Teil des Gletschers mussten wir im Eisbruch mehrere Spalten überqueren. Höchste Aufmerksamkeit war geboten! Nach einem sehr steilen Aufstieg standen wir mitten in einer Eislandschaft arktischer Dimensionen. Die Berge ringsum schimmerten bläulich im Sonnenschein. Erste Absteiger kamen uns entgegen. Das war gut, weil wir ihrer Spur nach oben folgen konnten. In 4.300 m Höhe konnten wir die Margherita Hütte am Horizont erkennen. Wie ein Adlerhorst thront sie auf der Signalkuppe, mit Trossen verankert. Von Süden her sieht man den Aufstieg von der Capanna Gnifetti (3.647 m) und Rifugio Mantova (3.498 m), ein beliebter Aufstieg von Italien aus. Die letzten 100 Hm bis zur Hütte geht es in sehr steilem Gelände hoch. Heftiger Wind schlägt uns entgegen und wir haben Mühe das Gleichgewicht zu halten. Die Temperatur liegt bei -8°C. Wir stapfen mit letzter Kraft hoch. Nach 9 Stunden haben wir das Ziel erreicht. Die Hütte birgt 70 Plätze. Alle Plätze ausgebucht. Sehr enge Verhältnisse, kein Waschwasser. Glücklich, wer Hygienetücher mitgenommen hat. Die Toiletten, sehr gewöhnungsbedürftig (eine Desinfektionslösung für die Hände ist empfehlenswert). Aber das Abendessen ist vorzüglich. Eine leckere Obstplatte beschließt das Menü. Es gibt einen Applaus für die Köche und eine anerkennende extra Spende für ihr Bemühen.

Abstieg am nächsten Morgen um 5.45 Uhr. Ein heftiger Wind hat in der Nacht den Schnee in Eis verwandelt, jegliche Spuren verlöscht und die Sichtweite liegt unter 20 m. Ab 3.800 Hm können wir dann allmählich die Silhouette der Großen Gipfel erkennen, die unseren weiteren Weg markieren.

Der Abstieg dauert nochmals 6 Stunden bis zum Rotenboden, wo wir in die Gornergratbahn einsteigen. Unten in Zermatt der gesprächige Mann am Empfang in unserem Hotel fragte uns: Wie seht ihr denn aus? Wir: „Ja…gut!?“ Und wir gingen auf unsere Zimmer, um uns als erstes unter die Dusche zu stellen, nach einer erfolgreichen Tour zur Signalkuppe.

Bericht: Wolfgang Gottschick

Tourenleiter: Berthold Honka, weitere Teilnehmer: Marietta Honka, Matthias Weidemann und Roland Wittmann