Klettercamp Arco (4. - 11. Juni 2016)

Umberto – Oder: Trocken kann jeder

„Um was???“ „Umberto ...“

Hörte man dies in der Woche vom 4. bis 11. Juni im Sarcatal, konnte man sich ziemlich sicher sein, dass sich in direkter Nähe ein paar Mainzer Kletterinnen und Kletterer befanden (diese geschlechtergerechte Formulierung sei Helmut gewidmet). Wer sich nun fragt, wer Umberto ist, und was ihn zum Dauerbrenner unserer Mehrseillängenwoche in Arco machte, der darf sich gerne an unsere beiden Ausbilder Heinz Nold und Jürgen Jahn wenden. Sie werden euch sicher gerne aufklären. :-)

Eins kann man definitiv sagen: Die Stimmung in unserer Truppe war überragend. Waren manche zu Beginn noch etwas pessimistisch, was die Wetterprognosen anging, konnten wir doch bereits am ersten Tag so loslegen wie gewünscht. Wir begingen zunächst gemeinsam die wunderschönen recht neuen Routen „Via per Linda“ und „Via Elda“ an der Parete di San Paolo. Schöne Kletterstellen und meist kompakter Fels ließen aufhorchen, was wohl diese Woche noch auf uns warten sollte. Dank eines anderen fleißigen Mainzer Kletterers (der Name sei hier verschwiegen) steckt auch nun in der vierten Seillänge der „Linda“ ein Friend fest, der noch so manchen Kletterers Nerven entspannen wird.

Wie früher bei der Zeugnisvergabe in der Schule warteten alle Teilnehmer abends immer ganz gespannt auf die Seilschaftsverteilungen, die Heinz und Jürgen nach ausführlicher Beratung für den nächsten Tag bekannt gaben. Würde man eine schwerere Route machen? Oder doch eher eine etwas gemütlichere? Wie viel Seillängen würden auf dem Programm stehen? Würde man als Zweier- oder Dreierseilschaft in den Kampf ziehen? Unsere beiden Chefs schafften es stets tolle Teams zusammenzustellen (gut, alles andere wäre bei den großartigen Teilnehmern auch unmöglich gewesen!).

Ein Highlight war sicherlich der Ausflug zur Piramide Lakshmi, an der wir die „Mercurio serpeggiante“ und die „Bellezza della venere“ kletterten – zwei Routen, die viel Konzentration erforderten, aber mit einem tollen Klettererlebnis belohnten. Besonders spannend wurde es, als wir am Piccolo Dain die „Amazzonia“ und die „Orizzonti Dolomitici“ klettern wollten. Der Wetterbericht war wie immer ein bisschen diffus angesagt, doch eigentlich war alles soweit so stabil, dass wir uns frohgemut in diese längeren Routen hineinbegaben. Natürlich nicht, ohne vorher noch einmal genau nachzumessen, wie groß die Mutter war, die man beim Einstieg in die Routen NICHT treten darf! Unsere Seilschaften kamen gut voran, wenn auch manchmal klitschnasse Passagen auf einen warteten, die man mit besonderer Vorsicht überklettern musste. Gegen Ende der Routen wurde es auf einmal bedenklich dunkel über uns, und auf einmal ergoss sich ein kräftiger Platzregen. Innerhalb weniger Minuten waren der komplette Fels und auch wir durchnässt. Doch: trocken kann jeder! Die gute Laune ließ sich auch davon nicht vertreiben (Zitat Jürgen: „Ist doch alles super hier!“), und wir schafften es allesamt wohlbehalten die letzten 1-2 Seillängen bis zum Ausstieg durchzukraxeln.

Da das Wetter immer ein wenig kritisch war, kletterten wir an zwei Tagen ein bisschen kürzere, aber nicht minder schöne Routen, wie zum Beispiel die „Nereidi“ und die „Due piccoli pilastri“ an der Parete die San Paolo. Einen Tag verbrachten wir wetterbedingt außerdem in dem ziemlich neuen Sportklettergebiet San Martino.

Trotz des Dauerregens, den wir mittwochs und donnerstags über uns ergehen lassen mussten, war für freitags dann ein Schönwetterloch angesagt und so wagten wir uns zum Abschluss an die Sonnenplatten, um noch einmal zwei längere Routen zu machen. Ein Teil der Gruppe beging die „Claudia“, ein anderer Teil die „Similaun“.

Die Claudia-Gruppe arbeitete sich zügig und fröhlich durch ihre 14 Seillängen. So mancher Kletterer fühlte sich allerdings unterfordert und zweigte schon mal geschwind in eine schwerere Route ab ;-). Die „Similaun“ brachte dann aufgrund der weiten Hakenabstände und der speziellen Plattenkletterei (Zitat Heinz: „Ja, da muss man sich dann einfach mal sagen: 'Arschbacken zusammenkneifen!'“) eine Vorsteigerin so an die Grenze, dass nur noch Heinz mit einer clever ausgetüftelten Seilschaftsraupen-Technik den Rest der Tour retten konnte. So stiegen alle Teilnehmer des Kurses pünktlich um 17 Uhr oben aus und jeder war glücklich, es geschafft zu haben.

Die wunderschöne Alpinkletterwoche beschlossen wir dann abends im Alla Lega bei köstlichem Essen und mit ein paar Bier und Wein.

Trotz des manchmal etwas widerspenstigen Wetters hatten wir eine wundervolle Kletterwoche, in der wir von Jürgen und Heinz sehr viel lernen konnten, und in der wir wieder mal am eigenen Leib erfahren durften, wie schön das italienische Dolce Vita und das herrliche Sarcatal sind!

Tausend Dank euch, Heinz und Jürgen, für diese tolle Woche!

Sarah Lapaczinski