Klettersteig-Schmankerl der Lechtaler Alpen (19. - 24. August 2016)

„Und noch ein Joch“ – Die perfekte Bergtour in den Lechtaler Alpen

Fünf Premium-Alpen-Tage im Parzinn, bei schönstem Wetter mit herrlichen Ausblicken, anspruchsvollen Bergwanderungen und Klettersteigen, einem hauseigenen Bergbadesee sowie bestaunenswerter Flora und Fauna.

Morgens um sechs starteten Mainz 1 und Mainz 2 zum Kletter-Wander-Ausflug nach Boden bei Bschlabs, um die Tiroler Bergwelt zu erkunden. Von der Hanauer Hütte und der Steinseehütte aus gestalteten sich die Ausflüge in die umliegenden Berge: Ob im Klettersteig, auf Bergwegen, bei leichten Klettereien oder bei der Überquerung zahlreicher Joche. Die relativ kurze An- und Abreise, der recht übersichtliche Aufstieg zur ersten Hütte und die Möglichkeiten an Wegen und Fels machten diese fünf Tage zu einem großartigen Erlebnis.

Die Eckdaten

Freitag: Aufstieg ab Boden zur Hanauer Hütte (1.920 m) über den leichten Teil des Hanauer Klettersteigs, mit Ruhebank und Gipfelbuch am Ausstieg.

Samstag: Den gesamten, deutlich anspruchsvolleren Hanauer Klettersteig, inklusive Seilbrücke über die Schlucht, sowie einigen knackigen und steilen Passagen am Drahtseil. Nachmittags kleine Wanderung übers Gufelseejöchl zur Kogelseespitze, wobei die letzten Höhenmeter zum Gipfel dem beginnenden Regen zum Opfer fielen und wir ziemlich durchnässt in der Hütte ankamen …

Sonntag: Wanderung auf dem E4 alpin zur Steinseehütte (2.069 m) über die östliche Dremelscharte, eine durchaus alpine Angelegenheit, am malerisch gelegenen Steinsee vorbei zur urigen Steinseehütte. Da die Sonne unermüdlich schien und unsere Beine noch fit waren, nahmen wir nachmittags noch den Aufstieg zum Verborgenen Joch in Angriff, dessen Name uns neugierig machte – es hielt was es versprach, aber wir haben es dennoch gefunden!

Montag: bei strammem Sonnenschein, stramme acht Stunden Wanderung zum Württemberger Haus und zurück, man musste ja das Traumwetter ausnutzen! Auf dem Hinweg ging es über den E4 Alpin - der hier seinem Zusatz „alpin“ alle Ehre machte! - äußerst rassig am Mittelkopf vorbei, über Roßkarschartl, Schafgänge und Gebäudjöchl zum Württemberger Haus. Nach erholsamer Rast bei leckerem Speis und Trank zurück über Bitterscharte und Gufelgrasjoch zur Steinseehütte.

Dienstag: Steinseeklettersteig auf die Steinkarspitze (2598 m), ein Klettersteig, der nicht nur im Aufstieg was zu bieten hatte: die kleingerölligen, steilen Abstiegsstellen forderten bis zuletzt volle Konzentration! Als Belohnung dann nachmittags das Bad im blaugrün schillernden Steinsee.

Mittwoch: Abstieg über die westliche Dremelscharte, auch noch mal eine Scharte mit Anspruch, das obligatorische Drahtseil fehlte nicht. Über die Hanauer Hütte ging‘s zurück zum Parkplatz in Boden.

Noch ein paar Impressionen

Beide Hütten (und auch das Württemberger Haus) sind klein, sehr urig und familiär. Die kompetenten Pächter lassen von der Hektik der benachbarten großen Hütten nichts spüren. Gute Küche mit dem „So schmecken die Berge“- Siegel und äußerst gemütliche Zimmerlager.

Der Hanauer Klettersteig ist ein anspruchsvoller Sportklettersteig, sehr gut gesichert, mit Ein- und Ausstieg in Hüttennähe, sowie einem sehr interessanten Verlauf mit abwechslungsreichen Passagen der Schwierigkeit C/D, einer spektakulären Seilbrücke – sehr empfehlenswert!

Der Steinseeklettersteig liegt in einem Klettergebiet nahe der Steinseehütte – eine Spielwiese für alle Kletterer und die, die es mal werden wollen. Bei leichter Schwierigkeit (A/B) führt er sehr schön (fast) auf die Steinkarspitze (für den wirklichen Gipfel sind noch ein paar Meter sehr ernsthafter Kletterei im 2. Schwierigkeitsgrad nötig). Am Gipfelkreuz bietet sich ein herrlicher Ausblick nach leichter, sicherer Kletterei. Der Abstieg ist überwiegend auch seilversichert. Hätten wir Kletterausrüstung und mehr Zeit im Gepäck gehabt – zahlreiche Routen und Boulderfelsen gibt es hier zu entdecken (ein gutes Topo kann auf der Hütte käuflich erworben werden).

Die Wege zwischen den Hütten sind schwarze Bergwege, die sich dadurch auszeichnen, dass die zu überquerenden Joche nur mit leichter Kletterei zu bewältigen sind. Auch diese sind gut seilversichert und bieten jedes Mal ein Gipfelerlebnis, weil sie den Blick öffnen für das nächste Tal und die umliegenden Berge.

Die Tier- und Pflanzenwelt ist typisch für die Nordalpen: Viele Alpenblumen, teilweise noch blühende Alpenrosen, ein paar Murmeltiere, Gämsen, Salamander, allerlei Getier, sogar eine Schneehuhnfamilie tummelte sich in den Talböden und ein junger Steinbock hat uns auf dem Abstieg begleitet.

Und nicht zuletzt war es eine prima Bergtruppe – viel Sport, Spaß, gute Gespräche, sowie gemeinsame stille Bergerlebnisse.

Insgesamt ein Ausflug fast wie aus dem Werbekatalog, da hat alles gepasst und wir erklärten uns spaßeshalber selbst zur „Normwandergruppe“. Danke, Sonja, für die tolle Organisation!

Text: Kirsten Kaib, Fotos: Sonja Haug