Langlauffreizeit im Südschwarzwald (5. - 9. Februar 2016)

Langlauftour mit alpinem Wettereinbruch

Vier Tage Langlauf im Südschwarzwald, das ist doch eine richtige Dosis, um die Kondition voran zu bringen. Die Ausschreibung hat sich auch sehr einladend angehört: ausgedehnte Skiwanderungen, teils auf gepflegten Loipen, auch in ungespurtem Gelände, teils auf den Skifernwanderwegen. So kann man doch die schöne Natur genießen, weit weg von der urbanen Hektik. Danach sehnen wir uns alle so sehr.

Samstag

Tolles Wetter, Sonne, Schneeverhältnisse wie ein Traum. Wir starten an dem "Haus der Natur" am Feldberg. Wir überqueren das Skigebietet und schon gleich nach wenigen Metern - ein Ausblick wie im Bilderbuch - klare Sicht und die Alpen am Horizont. Ist es nicht schön?! Uns geht´s ja richtig gut! Gerne würde ich hier länger stehenbleiben um ein paar Fotos zu machen, aber es geht weiter. Norbert sorgt dafür, dass das Tempo ordentlich bleibt. Wir sind doch die DAV-Langlaufgruppe und nicht zum Spaß hier... Wir passieren die Todtnauer Hütte an der linken Seite und laufen weiter. Es geht berghoch und bergrunter. Wie gut, dass ich meine Skier am Vortag ordentlich präpariert habe, so kann ich zumindest bei den Abfahrten die vier gut trainierten und schon seit Jahren sehr gut eingespielten Langläufer einholen. Wir passieren ein einsam stehendes, in der Sonne goldglänzendes Kreuz am Stübenwasen (im Nachhinein stellt sich heraus - der höchste Punkt unserer Tour) und ich merke, Norbert entfernt sich immer weiter von der Spur. Eindeutig genießt er das jungfräulich ungespurte Gelände. Nun winkt er uns zu und wir sollen ihm folgen. Alle noch etwas reserviert, aber schon nach den ersten Kurven im freien Gelände, findet jeder Spaß daran. Mich erinnert es ein wenig an die Skitouren und dieses Gefühl, dass vor mir noch keiner hier entlang gelaufen ist - einfach genial. Unser "Freeriding" endet mit der Mittagspause und einer warmen Suppe in der nahe gelegenen Hütte. Danach geht´s weiter Richtung Notschrei, vorbei am Loipenzentrum, wo gerade Biathlonwettkämpfe stattfinden. Nach kurzer Abstimmung entscheiden wir uns für Neuland - die Schauinsland-Loipe, welche von Norbert noch nie gelaufen wurde. Sie ist richtig schön; geht immer wieder hoch und runter, hin und wieder eine Wasserquelle, der weite Alpenblick macht die Tour noch schöner, es wird nicht langweilig... gute 30 km haben wir hinter uns.

Sonntag

Heute fahren wir mit den Autos in ein anderes Gebiet. Auf dem Plan steht: Menzenschwander-Spur, dann über Grafenmatt, Leistungszentrum am Herzogenhorn bis hin zu Krunkelbachhütte. Vom Parkplatz aus laufen wir zunächst eine schöne Waldstrecke, gemächlich aber ständig hoch. Nach einer kleinen Trinkpause am höchsten Punkt von der Menzenschwander-Loipe kommt eine lange schöne Abfahrt. Wie gut, dass ich die "Schlussfrau" bin - eine ordentliche Bremsung, da sich links das weitläufige Menzenschwandertal erstreckt, mit tollem Alpenblick als Krönung. Auch der entgegenkommende sportliche Skater konnte sich den Blick nicht verkneifen. Vom Caritashaus aus geht´s weiter am Skigebiet Grafenmatt. Hier queren wir mit größter Vorsicht die Abfahrtspisten und fühlen uns dabei wie beim "Katzen-und-Maus-Spiel". Sobald wir die Skier am Leistungszentrum am Herzogenhorn abgeschnallt haben, geht´s mit dem Schneesturm los. Die Schneeschuhwanderer (wohl auch DAV´ler), die uns immer wieder auf der Strecke begegnet sind, kommen nach einer Weile total verschneit an. Wir entscheiden uns aufgrund des plötzlichen Wetterumschwungs die Krunkenbachhütte ein anderes mal zu besuchen und nach der warmen Suppe im Leistungszentrum machen wir uns auf den Rückweg.

Montag

Es sind Orkan-Böen bis Windstärke 10 (im Nachgang stellt sich heraus, am Feldberg waren es 145 km/h), Regen und Schnee angesagt. Nach dem Onlinecheck am Vorabend wissen wir, dass nicht viele Loipen offen sind. Wir peilen (wieder) Notschrei an. Diesmal aber auf einer anderen Route. Sobald wir im offenen Gelände sind, fällt Eisregen. Ich setze meine Kapuze etwas tiefer und laufe munter dem letzten Mann/Frau unserer Truppe nach. Sehr schnell wird es richtig unangenehm. Der Wind weht wie verrückt und der Schneeregen peitscht ordentlich von allen Seiten. Man hat den Eindruck, als ob der Wind einem die Luft vor dem Atmen wegblasen wollte. Sich hier einen größeren Abstand von der Gruppe zu leisten, ist eher unangebracht, aber... diesen Ausblick, diese Lichtverhältnisse und die sich so deutlich abzeichnenden Alpen am Horizont, kann ich mir nicht entgehen lassen. Ein Schnappschuss und schon lege ich Tempo zu, um den Anschluss zu kriegen. Links passieren wir eine Hütte. Ich bin überrascht - diesmal kehren wir dort nicht ein, es geht weiter munter bergab. Im Wald ist es etwas ruhiger und es macht richtig Spaß runter zu sausen. Am Notschrei, nach einer kurzen Pause, geht´s nun zurück. Ich denke mir - die ganzen Höhenmeter sollen wir wieder hinauf? Und oben wieder dieses Schnee-Regen-Wind-Karussell? Möchte ich mir das wirklich antun? Mein Inneres sagt zum meinem Trotz "ja" und bin schon wieder munter in der Spur. Wäre ich alleine hätte ich mich bestimmt anders entschieden.

Das ist so schön an den DAV-Aktivitäten, dass man mit Gleichgesinnten gemeinsam die Touren unternimmt, die man selber nicht machen würde und diese im Nachhinein in bester Erinnerung behält.

Text: Barbara Dymek, Foto: Norbert Geyer