Lawinenseminar Schwarzwald (11. - 13. März 2016)

Lawinenseminar im Schwarzwald? Manch einer mag darüber lächeln oder erstaunt die Augenbraue hochziehen. Auch wir waren nicht ganz frei davon und stellten uns folgende Fragen:

  1. Werden wir Anfang März genug Schnee haben?
  2. Wo soll es im Schwarzwald Lawinen geben?

Doch Frank Ebert (Fachübungsleiter Hochtouren), Norbert Geyer (DAV Skilanglaufführer) und Jürgen Schäfer (Fachübungsleiter Bergsteigen) belehrten uns eines Besseren. Wir, das waren Jutta Bachstein, Änni Schweikhard, Frank Ebert, Norbert Geyer, Hans-Jürgen Schäfer, Georg Hill, Dietmar Häger und Tobias Beck, reisten freitags bei herrlichem Sonnenschein an. Die vier „alten Hasen“, alle im wohlverdienten Unruhestand, waren schon früher da und konnten eine erste Erkundungstour mit den Schneeschuhen unternehmen. Die zweite Fahrgemeinschaft konnte nach der Arbeit starten und kam am späten Nachmittag an.

Unterkunft war der Gasthof „Zum Jägerheim“, ruhig gelegen, am Ende einer Forststraße und mit direktem Blick auf die Nordseite des Feldberges.

Die Begrüßung fiel herzlich aus und nach Zimmerbezug ging es runter in den Aufenthaltsraum. Dort wurden wir von dem freundlichen Gastwirt aus den Niederlanden sehr gut mit Essen und Getränken versorgt. Nach dem Abendessen rief die Pflicht, in Form eines Vortrages von Frank Ebert über Lawinenkunde und Verschüttenden-Bergung. Eindrucksvoll wurden wir auch mit kleinen Videos und einer Lawinenzonen-Karte für den Feldbergbereich über die Gefahren von Lawinen informiert.

Trotz des sehr interessanten Vortrages gibt es Gerüchte, über ein oder zwei Teilnehmer, die in einen Sekunden-Schlaf verfallen sind. Dies lässt sich nur durch die anstrengende Anreise, die sehr gute Halbpension und den warmen Kachelofen erklären...

Am nächsten Tag wurde es ernst. Mit Schneeschuhen und Lawinenrettungs-Set ausgerüstet ging es auf Tour ins Übungsgelände. Schnee war reichlich vorhanden und durch das etwas diesige und windige Wetter wurden die Suchbedingungen erschwert. Aufgeteilt in zwei 4-er Gruppen haben wir die Suche nach einem einzelnen Lawinenopfer durchgeführt. Jeder musste das „Opfer“, in Form eines Signalgerätes in der Brotdose, suchen, orten und ausgraben. Die Zeitmessung ergab gute Ergebnisse im Bereich von 6-10 Minuten. Frank Ebert hat uns dann an einem gegrabenen Schneeprofil die einzelnen Schneeschichten, unter den verschieden Witterungseinflüssen, zum „Begreifen“ gezeigt.

Nach der Zufriedenheit unserer Ausbilder ging es dann auf eine sehr schöne Schneeschuhtour zum Feldberg, mit Mittagsrast auf der St. Wilhelmer Hütte.

Auf diesem Weg konnten wir auch mehrere eindrucksvolle Wächten am Nordhang des Feldberges sehen. Sogar eine kürzlich abgegangene Lawine haben wir gequert. Mit diesen Eindrücken und geschärftem Sinn für Lawinen-Gefahren wird klar, dass sogar der vermeintlich harmlose Feldberg nicht zu unterschätzen ist und es auch dort leider zu Lawinentoten kommt.

Am Abend gab es dann den nächsten Vortrag zum Thema Lawinenlagebericht und der Varianten in den Alpenländern. Diesmal vor dem Abendessen und ohne Sekundenschlaf.

Am Sonntag und gleichzeitig Abreisetag sind wir nach dem Frühstück nochmal in das Gelände und haben die Lawinensuche mit mehreren Verschüttenden geprobt. Das Wetter begrüßte uns mit Nebel und stärkerem Wind. Auch hier haben uns Bergungszeiten bis maximal 12 Minuten bei mehreren Verschütteten von der absoluten Notwendigkeit und sinnvoller Investition für Lawinensuchausrüstung überzeugt. Mit einer weiteren kleinen Rundtour und sich durchsetzendem Sonnenschein hat uns der Schwarzwald für das sehr gelungene Wochenende verabschiedet.

Text: Tobias Beck, Bilder: Dietmar Häger, Norbert Geyer