Alpines Wandern im Fanesgebiet/Dolomiten (10. - 16. September 2017)

Von Perlhühnern und anderen kulinarischen Köstlichkeiten

Sonntag

Anreise: Nach 9,5 Std. Fahrt sind wir am Berggasthof Pederü in Südtirol angekommen. Andreas und Erika waren schon früher da und gemeinsam warteten wir, bis der Gepäcktransport uns gegen 17.00 abholen sollte. Der Fahrweg zur Lavarella-Hütte war holprig und steil und Daggi machte sich bei unserem Fahrer, dem Opa der Lavarella-Hütte, sogleich unbeliebt. Sie tönte lauthals, dass man besser nie ein Auto von einem Italiener kaufen sollte, die Autos müssten doch ganz schön was aushalten! Die Straße wurde immer steiler und uns stockte der Atem. Wir wurden auf der Rückbank immer kleiner und atmeten tief durch als wir nach 20 Min die Lavarella-Hütte erreichten. Daggi umschmeichelte den liebgewonnenen Opa mit: „Respekt an den Fahrer“- hatte er uns doch alle heil den Berg hinauf chauffiert. Nachdem wir unsere Doppelzimmer bezogen hatten, trafen wir uns im Gastraum zum Abendessen. Uns ist zu Ohren gekommen, dass die Oma des Hauses noch selbst in der Küche steht und fantastisches Essen zubereitet. Die Erwartungen waren groß. Als Vorspeise gab es Spinatknödel, danach Bratkartoffeln mit Wildhackfleisch und als Nachtisch Walnusseis mit Waldfrüchten. Herrlich....

Montag

Am Montag sind wir zu einer Akklimatisierungswanderung in Richtung St. Antoniusspitze aufgebrochen. Es war ungemütlich kalt und neblig. Aber wir waren ja nicht zum Jammern da, sondern zum Wandern! Also hoch zur Antoniusspitze und die Aussicht genießen. Theoretisch hätte man einen herrlichen Rundumblick zur Glocknergruppe und zu den Zillertalern gehabt. An diesem Tag leider nur eine weiße Wand aus Nebel. Nichtsdestotrotz war die Stimmung gut und so kamen wir gut gelaunt auf der Lavarella-Hütte an, freuten uns auf die heiße Dusche und rätselten, was es denn heute zu Essen gäbe. Auflösung: Pasta in Gorgonzolasoße, Gulasch mit Spätzle und Mousse au Chocolat.

Dienstag

Der Dienstag begann mit starkem Regen, der zum Mittag hin in Schnee überging. Die Schneeflocken wurden immer dicker und die Sicht immer schlechter. Bis zum Abend hatten wir 10 bis 15 cm Neuschnee. An diesem Tag setzten wir keinen Fuß vor die Hütte und frönten den kulinarischen Genüssen aus der Küche. Bei einem Glas Wein, geselliger Runde und Winterlandschaft einfach traumhaft.

Mittwoch

Aufbruch zur „Schneewanderung“ in Richtung Heiligkreuzkofel. Stundenlag tappten wir durch eine tiefe Schneedecke. Erika ertastete unermüdlich Schritt für Schritt mit ihrem Wanderstock den Weg, um Karstlöcher aufzuspüren, in die wir drohten hineinzutreten. Wir wähnten uns auf einer Skitour mit blauem Himmel und wunderschönen weißen Gipfeln. Erika spurte solide und zuverlässig unseren Weg und auch nachfolgende Wandergruppen waren dankbar für die Führungsarbeit. Im Schneckentempo arbeiteten wir uns den Heiligkreuzkofel hoch. Das Gipfelglück konnten wir nur kurz genießen, da es stark windete und wir den schnellen Abstieg suchten. Die Aussicht von dort oben in das Abteital war grandios. Wieder angekommen auf der Lavarella-Hütte, waren wir schon ein wenig stolz, bei solchen Bedingungen am Gipfel gestanden zu haben. Einen schönen Ausklang fanden wir wie immer bei einem 3-Gänge-Menü. Daggis vergebene Liebesmüh, der Köchin des Hauses ein Lächeln abzuringen, scheiterte kläglich. Sie schickte täglich Grüße und Küsse in die Küche und malte Herzen in den mit Tomatensoße verschmierten Teller. Aus der Küche allerdings kam keine Reaktion.

Donnerstag

Am Donnerstag mussten die müden Knochen und schmerzenden Knie vom Vortag geschont werden. Daher brachen wir zu einem Spaziergang in Richtung Gran Fanes Hütte auf. Dort angekommen, tackerte soeben der Besitzer ein „closed“-Schild an die Tür. Ab jetzt ist die Hütte geschlossen. Na toll! Doch keinen Kaffee und Kuchen für die Seele. Dafür fand Daggi die Hühner vor der Hütte süß und schnappte sich sogleich eines davon. Das Schmusen und Drücken fand die Henne gar nicht toll und pickte ihr kurzer Hand ihren großen, weißen Perlenohring aus dem Ohrloch. Bevor wir reagieren konnten war der Ohring verschluckt und das „Perlhuhn“ geboren. Mit großen Augen und großem Gelächter wurde das Tierchen in die Freiheit entlassen. Ohne Stärkung sind wir in Richtung Pareispitze aufgebrochen. Am Joch angekommen entschieden wir uns, nicht zum Gipfel zu gehen. Wegen zu hohem Schnee und der Steilheit hatten wir uns dagegen entschieden. Die Kräfte wollten für den Folgetag geschont werden.

Freitag

Die heutige Tour führte uns zum Friedensbiwak, einer ehemaligen Gebirgsstellung. Eine herrliche Wanderung über grüne Wiesen, vorbei an schönen Felsformationen, hinauf zum Monte Castello. Das Biwak war erst auf den letzten Metern zu erkennen. Eine beachtlich große Bretterbude direkt an den Felsen gezimmert. Fantastisch der Ausblick in die Weite der Dolomiten. Das Biwak selbst war mit Holzbänken und Betten ausgestattet und das Beste... dort oben hatte man Handy-Empfang! Also erstmal Mails checken und anschließend den Gipfel-Schnaps genießen. Davon hatten wir erstaunliche Mengen dabei. Aus jedem Rucksack wurde ein Fläschlein gezaubert und es erinnerte eher an eine Schnapsprobe. Auf dem Rückweg kamen wir wie am Vortag an der Gran Fanes Hütte vorbei. Eigentlich „closed“, doch das Schild war weg und die Hütte geöffnet. Also doch nochmal die Gelegenheit Kaffee und Kaiserschmarrn zu probieren. Vom Perlhuhn weit und breit keine Spur. Zurück auf unserer Hütte war die Stimmung wie jeden Abend ausgelassen fröhlich und auch unser Opa taute mehr und mehr auf. Dem Charme und dem Gelächter unserer gut gelaunten Truppe konnte er sich nicht entziehen. Nur seine Frau, die Köchin, ließ sich nicht erweichen.

Samstag

Abreise: Eine Woche mit wunderbaren Eindrücken, schönen Wanderungen, die durch unsere Tourenleiterin Erika erst möglich waren, ist leider zu Ende. Schweren Herzens haben wir uns von der Lavarella-Hütte, der Landschaft und dem tollen Essen verabschiedet. Mit dem Gepäcktransport ging es wieder hinab zum Berggasthof Pederü. Unten angekommen verabschiedeten wir uns von unserem Opa. Daggi wurde von ihm gedrückt und geherzt. Kein Wunder, denn er wurde die ganze Woche über weichgeklopft. Bei seiner Frau hatte sie leider keinen Erfolg. Eines steht jedoch fest... wir kommen wieder!

Teilnehmer: Ute und Eckart Matzel, Silke Weißmann, Dagmar Schmitt, Andreas Böttcher, Tourenleitung: Erika Schüller

Bericht: Silke Weißmann und Dagmar Schmitt, Fotos: Andreas Böttcher