Finale: 20 Jahre Arco-Kletterei mit Jürgen Jahn und Heinz Nold (1. - 8. April 2017)

oder: eh isch misch uffresch – iss mer´s grad egal

oder: wenn ein Samsung Smartphone einem Sturztest unterzogen wird

Zum Abschluss einer 20-jährigen Ära zog es Jürgen und Heinz mit acht Männlein und zwei Weiblein im Gefolge nochmals in die norditalienische Kletter-Metropole Arco. Vom 1.4. – 8.4.2017 herrschten hervorragende Kletter-Bedingungen. Es war tagsüber frühlingshaft warm, so dass täglichen Mehrseillängenrouten nichts im Wege stand.

Nach der individuellen Anreise (31.3. bis 1.4.) und Quartierbezug in Holzhütten, Wohnmobilen oder den zwei Kleinstzelten für die Mädels, vergnügten sich am Samstag Jürgen und Heinz am Colodri, Katha und Steff an der Plattenkletterei in Baone, Andy und Oliver radelten sich die Füße wund und der Rest übte sich in Müßiggang bei Kaffee, Eis etc. Obwohl es auf die Nacht zu dann schon recht kalt war, wurde auf den Campingstühlen vor den Wohnmobilen noch eine kurze Einweisung (Seilmitnahme, Helmmitnahme etc.) für den ersten Klettertag am Sonntag gegeben. Einer der vielen Sprüche, der unter Einwirkung von Alkohol und guter Laune dann zum Besten gegeben wurde, war der folgende: Was absolut nicht geht, ist das Ausleihen eines Kletterseils und natürlich die Frau oder Freundin! Merke: Auch ein Kletterseil kann eine Freundin sein!!

Am Sonntagmorgen stand dem Kletterspaß in der Gruppe in Mehrseillängen-Routen nichts mehr im Wege. Schon um 9 Uhr ging es in Richtung Sonnenplatten im Sarca-Tal. Die über das Wochenende anreisenden Italiener sollten möglichst hinter uns klettern. Je drei Seilschaften kletterten in den Routen Trento und Parallelo. Ergänzt wurden diese Routen dann am Nachmittag durch die Routen „Donne“ und „Opera Prima“. Die Routen bewegten sich im Bereich 4a bis 5c. Die Kletterziele an diesem Sonntag und den folgenden Tagen waren der sichere Standplatzbau mit verschiedenen Techniken und natürlich die Praxis am Fels mit Vor- und Nachstieg. Wer die Sonnenplatten kennt, weiß, dass es sich um Mehrseillängen handelt und überwiegend Reibungsklettern angesagt ist. Sehr schöne Touren dort, die etwas Ausdauer erfordern und richtig Spaß machen.

Nicht unerwähnt bleiben kann, dass Jürgen Jahn mit der Fa. Samsung einen Vertrag geschlossen hatte, um zu testen, inwieweit ein Samsung-Smartphone einen Sturz aus ca. 70 Metern überlebt. Die komplette Truppe wettete, dass das Handy den Sturz keinesfalls überleben kann. Am Fuße der Sonnenplatten dann die Sensation, Gerät, Akku und Funktionen hatten den Sturz tatsächlich überlebt. Jürgen strahlte über alle Backen. Er war aber nicht bereit mitzuteilen, wie viele Dollar er von Samsung für den Test erhalten hatte.

Die abendliche Menü-Tour führte uns nach Arco in die Cantina Marchetti und zum Eis essen bei Marco, wo es das beste Eis der Welt gibt!

Die folgenden Tage verbrachten wir im Klettergebiet Parete San Paolo, das sehr gut zu Fuß vom Campingplatz aus zu erreichen war und bildeten wieder zwei mal drei Seilschaften. Wir klettern in den Routen „Via Linda“ und „Elda“, „Nuova Via“ und „Via Sabina“. An der Cima alle coste Sud ging es in die die Routen „La bellezza dello venere“ und „Via il mercurio“.

Es gab auch feine Sprüche, wie z.B.: „Da klettert Opa Heinz“. Konter: „Wunderbar, dann klettert ihr morgen mit Opa Heinz. Da zeige ich euch mal was.“ Merke: zu einem Kletterer „Opa“ sagen, kann auch Konsequenzen haben…

An einem der Abende besuchten wir einen der Favoriten unter den Gastronomiebetrieben in Arco, das Ristorante Alla Lega mit seiner sehr leckeren Speisekarte.

Auch das Klettergebiet Piccolo Dain im Sarcatal erkundeten wir: zwei Routen waren auserkoren, jeweils drei Seilschaften aufzunehmen. Nachdem sich der Einstieg durch andere Seilschaften etwas dahinzog, hatte die Gruppe ihren Spaß. Mehr als sechs Stunden wurden benötigt, um alle an den Ausstieg zu bringen. Die etwas leichtere Route (bis 5c) war die „Amazzonia“. Die schwerere Route hieß „Moon Bears“ (bis 6). Beide hatten 9 bzw. 10 Seillängen und waren technisch an einigen Stellen nicht ganz ohne. Dies war ein schöner Tag mit viel Krafteinsatz und Ausdauer.

Am letzten Abend organsierte Georg eine Weinprobe mit Weinen aus der Gegend um Arco. Hierzu hatte unsere Gruppe eine weitere Klettergruppe aus Mainz und Frankental mit Annette Schorr als Chefin hinzugeladen. Und so saßen wir mit 21 Leuten auf der Terrasse an einer der Holzhütten und hatten einen super Abend mit viel Klönschnack, kulinarischen Leckereien aus den Geschäften vor Ort und der wunderbaren Weinprobe von Georg. Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben!

Nun ist leider wieder eine herrliche Kletterwoche zu Ende. Heinz und Jürgen haben sich über zwanzig Jahre viel Mühe gegeben, Neulingen, Wiedereinsteigern und Geübten das Klettern beizubringen bzw. die technischen Fertigkeiten zu verbessern. Wir wünschen Jürgen und Heinz einen gemütlichen Ruhestand ohne Ausbildungsfahrten. Habt weiterhin viel Spaß am Klettern - wir sehen uns sicher auch in Zukunft an dem einen oder anderen Kletterfelsen oder in einer der vielen Kletterhallen!

Text und Fotos: Gerold Brand

20 Jahre Klettercamp Arco: 1997 – 2017

In der ersten Aprilwoche 2017 hieß es wieder: Klettercamp Arco mit Heinz und Jürgen. Zum 20. Mal fand sich eine Gruppe von zehn Teilnehmern ein, um mit uns die Wände rund um Arco im wunderschönen Sarcatal zu erklimmen. Da es zur Jubiläums-Kletterwoche der Wettergott gut mit uns meinte, konnten wir auch dieses Mal wieder viele schöne Mehrseillängen- Routen klettern. Nur in einem Punkt unterschied sich dieses Klettercamp zu den vergangenen Camps: es fand zum 20. und gleichzeitig auch zum letzten Mal statt.

Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit und wir hatten schon vor einer geraumen Weile beschlossen, dass es damit auch genug sein soll. So kam es, wie es kommen musste, die Woche verging wie im Flug, und der letzte Klettercamp-Tag war unweigerlich gekommen, natürlich nicht, ohne eine letzte, für alle noch einmal anstrengende Mehrseillängen- Route an der Lomaro-Wand in Sarche zu bewältigen. Dem gelungenen Ausklang auf der Veranda einer Holzhütte schloss sich eine zur gleichen Zeit anwesende Klettergruppe aus Mainz an und so wurde es ein gemütlicher und lustiger ‚‘Mainzer Abend‘‘, bevor das Klettercamp dann endgültig Geschichte war. Doch gewiss war es kein Abschied von Arco, bestimmt wird der Eine oder Andere sich wieder hier einfinden, sei es zum Klettern, zum Mountainbiken, Wandern, Eis essen bei Marco oder was auch immer…

Was bleibt, ist die Erinnerung an in der Summe viele Hundert Seillängen, die wir gemeinsam geklettert sind. Vor allem jedoch werden wir gerne zurückdenken an die unzähligen schönen Stunden, lustigen Ereignisse und interessanten Diskussionen mit all den vielen netten Teilnehmern, die manchmal hätten unterschiedlicher nicht sein können. Vielen Dank an alle, die in diesen zwanzig Jahren bei unseren Klettercamps dabei waren und dazu beigetragen haben, dass daraus 20 Jahre geworden sind. Keep climbing!

Text: Heinz Nold und Jürgen Jahn