Pitztaler Runde zum Mainzer Wochenende auf der Kaunergrathütte (21. - 27. August 2017)

Zum höchsten Punkt von Mainz

Wer würde schon annehmen, dass es fünf Tage dauerte, um auf der höchsten Erhebung von Mainz anzukommen? Auf dem Kaunergrat in den Ötztaler Alpen befindet sich die Sektionshütte von Mainz (2.817 m) und jedes Jahr, Ende August findet hier, auf der „höchsten Stelle von Mainz“ das Mainzer Wochenende statt. Aber diesmal hatte Manfred Neuber eine Tour geplant und organisiert, die über einen langen Anstieg rund ums Pitztal führte, mit herrlichen Ausblicken auf die Lechtaler und Ötztaler Alpen. Berthold Honka hat die Führung der achtköpfigen Gruppe übernommen und es wurde ein schönes Wandererlebnis über (für einige Teilnehmer) teils noch unbekannte Grate und Höhenwege.

Aufstieg von der „Pferde- und Gästeranch Neu Amerika“, oberhalb von Piller, einem Blockhaus mit Westernflair in ca. 1.350 m Höhe, führt der Weg über die Kieletergalpe auf steilem Pfad durch einen urwüchsigen Wald: Die Bäume mit grauen Bartflechten geschmückt und an den Sonnenstellen, Sträucher übersät mit reifen Heidelbeeren. Wann ist hier der letzte Wanderer hochgestiegen? Wir jedenfalls sind auf dem ca. 7-stündigen Weg bis zum Abstieg über die Strassbergalm niemandem begegnet. Vor uns die beiden Aifenspitzen zeigen uns den Weg zum Halsl-Joch. Wir steigen nicht auf den Aifen (2.779 m), aber auf das etwas niedrigere Kreuzjöchl (2.589 m) und werden mit einem wunderbaren Bergpanorama über die Lechtaler und Ötztaler Alpen belohnt. Wir haben heute 1.280 Hm bewältigt und sind 900 Hm abgestiegen.

Mit dem Bergtaxi geht es anschließend auf die Ludwigsburger Hütte (1.935 Hm) auf der östlichen Seite des Pitztals und am Folgetag begeben wir uns auf den St. Leonharder Höhenweg. Die Kletterpassagen machen Spaß, der Steig ist gut gesichert. Doch beim Abstieg nach Eggenstall im Pitztal über die Innere Schwarzenbergalm wartete eine Herausforderung auf uns, die wir nicht eingeplant hatten: Bei zwei Teilnehmern löst sich die Schuhsohle. Gottseidank hat Berthold einige Kabelbinder im Gepäck und unten im Pitztal werden sich bestimmt ein Paar neue Wanderstiefel im Sportladen finden. Dann aber der Abstieg: Die Kabelbinder-Schuhe sehen recht putzig aus, aber nun müssen sie ihre Tüchtigkeit beweisen, denn der sehr steile und vollkommen durchfeuchtete Weg verlangt nun alles an Trittsicherheit und Aufmerksamkeit ab. Wir steigen ab über rutschige Grasnarben, Felsschroffen, morsche Brücken, wir umgehen gestürzte Bäume, räumen wirres Geäst aus dem Weg... Es ist glücklich geschafft und unten, beim Einstieg im Tal lesen wir die Warntafel: „Nur für Geübte.“ (Aufstieg 420 m, Abstieg 1050 m, Gehzeit 8 Std.)

Der vorletzte Teil unserer Wanderung führt uns zur Taschachalm und zum Taschachhaus und von da geht es über den Fuldaer Höhenweg zur Riffelseehütte, wo wir übernachten. Am Freitag steht der letzte Anstieg bevor über den Cottbuser Höhenweg zur Kaunergrathütte, wo uns Julia, die Hüttenwirtin, mit Obstler und Zirbenschnaps begrüßt. Wir sind sozusagen zu Hause angekommen und freuen uns auf das Mainzer Wochenende hier oben in den Bergen.

Planung der Tour: Manfred Neuber, Tourenleiter: Berthold Honka, weitere Teilnehmer: Horst Herder, Jacqueline Baab, Maria Karl, Hayo Müller, Sabine Stern, Frank Wingender

Bericht und Fotos: Wolfgang Gottschick